{"id":1135,"date":"2015-11-27T16:15:57","date_gmt":"2015-11-27T15:15:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/?p=1135"},"modified":"2021-01-31T12:11:47","modified_gmt":"2021-01-31T11:11:47","slug":"bilder-der-folter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/bilder-der-folter\/","title":{"rendered":"Selbstbegr\u00fcndung von Folter im Fall Mohammed al-Qahtanis"},"content":{"rendered":"<p>Mohammed al-Qahtani ist seit 15 Jahren ohne Anklage in Guant\u00e1namo Bay gefangen, weil er versucht haben soll, an den Anschl\u00e4gen vom 11. September als sogenannter <em>muscle hijacker <\/em>teilzunehmen. Al-Qahtani, das erste von der USA anerkannte Folteropfer des \u00bbGlobal War on Terror\u00ab, wurde \u00fcber mindestens sechs Monate mit Schlafentzug, Isolationshaft, religi\u00f6ser und sexueller Dem\u00fctigung, schmerzhaften Stresspositionen, Bedrohungen durch Hunde, Zwangszuf\u00fchrungen von Fl\u00fcssigkeiten, andauernder K\u00e4lte und lauter Musik, t\u00e4glichen, 20-st\u00fcndigen Verh\u00f6ren und anderem bis zur Lebensgefahr gefoltert.<\/p>\n<p>Die Studie rekonstruiert seinen Fall von seiner Bezeichnung als \u00bbTwentieth Hijacker\u00ab, \u00fcber den Leak seines <em>interrogation logs <\/em>durch <em>TIME<\/em>, \u00fcber das Eingest\u00e4ndnis seiner Folter durch die Regierungsbeamtin Susan Crawford und das Verbot der Ver\u00f6ffentlichung von Bildern al-Qahtanis durch den 2nd U.S. Court of Appeals bis hin zu seiner Befragung durch das Periodic Review Board 2016. Diese journalistischen, juristischen und milit\u00e4rb\u00fcrokratischen Texte werden auf ihre implizite Legitimation und Verharmlosung von Folter analysiert, indem sie diese als symmetrischen Kampf fehlbeschreiben, medizinische Sp\u00e4tfolgen als ihr Hauptkriterium ausgeben, \u00dcberlebende verunsichtbaren oder das Sprechen \u00fcber die eigene Folterung durch Besch\u00e4mung, Traumatisierung und Retraumatisierung und als \u00bbGef\u00e4hrdung der nationalen Sicherheit\u00ab verunm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>In einem close reading des geleakten, 80-seitigen Protokolls von al-Qahtanis Folterung wird gezeigt, wie sich die Folter selbstbegr\u00fcndet und rekursiv verst\u00e4rkt durch Techniken effektiver Entmenschlichung wie Verekelung, Animalisierung, Abjektivierung und der Aberkennung affektiver wie sprachlicher Verm\u00f6gen, sowie durch eine Selbstbeschreibung von Folter als postkolonialer zivilisierender Ma\u00dfnahme, die den Gefolterten durch eine notwendig schmerzhafte Abrichtung zu Rationalit\u00e4t und Moralit\u00e4t begaben soll. So zielt die Studie auf eine Blo\u00dflegung der \u00e4sthetischen und kulturellen Verfahren, die die extralegale Gewalt der Folter unter Abwesenheit einer Verurteilung oder eines Gest\u00e4ndnisses praxeologisch erm\u00f6glichen, eskalieren, verharmlosen und verunsichtbaren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abbildung:\u00a0Thomas V. Curtis (former Reserve M.P. sergeant): sketch showing how Dilawar was chained to the ceiling of his cell, 2005.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner Masterarbeit fragt Sebastian K\u00f6the nach dem Einsatz von Bildern und Filmen in US-amerikanischen Folterpraktiken im Zuge des so genannten global war on terror. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Bilder verwendet werden, um die epistemische Delegitimation von Folter, besonders ausf\u00fchrlich dargelegt im Senate Intelligence Comittee Report on Torture, zu kompensieren.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1175,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1135"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1135"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2480,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1135\/revisions\/2480"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}