{"id":1649,"date":"2018-04-24T13:13:10","date_gmt":"2018-04-24T11:13:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/?p=1649"},"modified":"2021-11-25T14:59:16","modified_gmt":"2021-11-25T13:59:16","slug":"zur-aisthesis-sauberer-folter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/zur-aisthesis-sauberer-folter\/","title":{"rendered":"Guant\u00e1namo bezeugen. Aisthetiken von Widerstand und Folter"},"content":{"rendered":"<p>\u203aSaubere\u2039 Folter zielt auf die anhaltende Qual, Regression und Traumatisierung ihrer Opfer, ohne in der Folge selbst rekonstruiert, glaubhaft bezeugt oder vorgestellt werden zu k\u00f6nnen. Sie macht leiden durch spurenarme Vorrichtungen wie \u203aWaterboards\u2039 oder die Gestaltung lebensfeindlicher Umwelten wie Isolationszellen, K\u00e4lte oder extremer Ger\u00e4uschkulissen. So wendet sie die konstitutive Offenheit menschlicher Wahrnehmung, Sensibilit\u00e4t und Sozialit\u00e4t als Instrumente der Folter gegen sie selbst. W\u00e4hrend diese Folter noch in ihrem Erscheinen zu verschwinden trachtet (C. Hilbrand), terrorisiert sie gleichsam durch ihre ausgestellte Sichtbarkeit ganze Bev\u00f6lkerungen in der stellvertretenden Brechung einzelner Leiber.<\/p>\n<p>Das Dissertationsvorhaben als Epistemologie der Gestaltungsweisen und Medien \u203asauberer\u2039 Folter tritt einerseits ihrer Unterbelichtung entgegen, indem juristische, journalistische, milit\u00e4rb\u00fcrokratische und autobiographische Dokumente des \u203aglobal war on terror\u2039 einer aisthetisch sensibilisierten Lekt\u00fcre unterzogen werden, die achtgibt auf ephemere Gewalttechniken wie Lichtarrangements, exzessive Sichtbarmachungen oder Drohungsszenarien.<\/p>\n<p>Diese Rekonstruktionen werden andererseits konstelliert mit einer Analyse der spezifischen Erkenntnisweise und Performativit\u00e4t von kontempor\u00e4ren \u00e4sthetischen Verfahren und K\u00fcnsten, deren besondere Erschlie\u00dfungskraft begr\u00fcndet ist eben durch die aisthetische Vorgehensweise gegenw\u00e4rtiger US-amerikanischer Folter. Formate wie Reenactments, Appropriationen oder investigative Narrationen produzieren ein irreduzibel eigenes und anderes Wissen \u00fcber die epistemisch schwer zug\u00e4ngliche Foltergewalt; gleichsam drohen sie als Akteure einer weiteren Visibilisierungsschleife die terrorisierende Wirkung der Folter zu multiplizieren, Opfer erneut zu besch\u00e4men und ihr Leiden unerl\u00f6st zu speichern.<\/p>\n<p>Wie haben, im Angesicht staatlicher Thanatopolitiken globalen Ausma\u00dfes, \u00e4sthetische und k\u00fcnstlerische Verfahren auf das Leiden der Verschleppten, Gefolterten, Get\u00f6teten geantwortet? Wie haben sie wiederum auf Seiten der Macht die Gewalt noch informiert, affiziert oder gerechtfertigt? Wie haben die Folter-\u00dcberlebenden selbst \u00e4sthetische Verfahren genutzt um f\u00fcr sich selbst und ihre Mitgefangenen Zeugnis abzulegen? In welchem Verh\u00e4ltnis stehen Epistemologie, Ethik und \u00c4sthetik in einer sozialen und symbolischen Antwort auf Folter zueinander?<\/p>\n<p>Angestrebt wird eine wechselseitige Befragung von historischen, forensischen und \u00e4sthetischen Verfahren, um schlie\u00dflich eine Kritik der impliziten und subtilen Teilhabe kultureller Formationen an der Gewalt \u203asauberer\u2039 Folter und ihrer fortw\u00e4hrenden Marginalisierung artikulieren zu k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u203aSaubere\u2039 Folter zielt auf die anhaltende Qual, Regression und Traumatisierung ihrer Opfer, ohne in der Folge selbst rekonstruiert, glaubhaft bezeugt oder vorgestellt werden zu k\u00f6nnen. Sie macht leiden durch spurenarme Vorrichtungen wie \u203aWaterboards\u2039 oder die Gestaltung lebensfeindlicher Umwelten wie Isolationszellen, K\u00e4lte oder extremer Ger\u00e4uschkulissen. 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