{"id":1907,"date":"2019-01-08T15:24:15","date_gmt":"2019-01-08T14:24:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/?p=1907"},"modified":"2022-12-03T09:36:43","modified_gmt":"2022-12-03T08:36:43","slug":"performing-sexual-consent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/performing-sexual-consent\/","title":{"rendered":"Performing Sexual Consent"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Intimen Begegnung wohnt die Gefahr des \u00dcbergriffs inne. Ob beim Sex, Sport, Spiel, in der Sorgearbeit oder weiteren Bereichen kann es aufgrund k\u00f6rperlicher N\u00e4he oder des Umgangs mit potentiell \u00fcberw\u00e4ltigenden Inhalten nicht nur zu physischen sondern auch psychischen Unbehaglichkeiten oder gar Sch\u00e4den kommen, von denen eine die Verletzung der Selbstbestimmung und Handlungsf\u00e4higkeit sein kann. Um diese zu wahren gilt das Aushandeln gegenseitiger Einvernehmlichkeit gegenw\u00e4rtig als vielversprechende Sicherheitsma\u00dfnahme: Die Beteiligten erfragen bei einander, ob einer Interaktion zugestimmt wird und sie verpflichten sich dazu, Verweigerungen grenzachtend zu akzeptieren. Moralisch wie strafrechtlich soll mit solchen Konsenskonzepten eine Unterscheidung getroffen werden zwischen Missbrauch auf der einen und affirmierten Handlungen auf der anderen Seite.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Einvernehmlichkeitskonzepte sind jedoch mitnichten einheitlich. Je nach disziplin\u00e4rem Hintergrund oder pragmatischem Kontext wird die G\u00fcltigkeit eines Einverst\u00e4ndnisses an unterschiedlichen Bedingungen festgemacht. Diese gehen jedoch mit inh\u00e4renten Komplexit\u00e4ten, Grenzen und Fallstricken einher, auf die vordergr\u00fcndig feministische, poststrukturalistische, traumatherapeutische und leibph\u00e4nomenologische Analysen zunehmend hinweisen. Vielfach wird dies exemplarisch anhand sexualethischer Fragestellungen diskutiert. Aus diesen wird gegenw\u00e4rtig die kritische Forderung laut, die Parameter\u00a0<em>gute<\/em><em>r<\/em>\u00a0Umgangsformen neu zu bestimmen \u2013 jenseits simplifizierter Konsenskonzepte im Sinne eines Erlaubnis-Gebens, hin zu nuancierten Konzepten, welche die Ambiguit\u00e4ten des Begehrens, Reflexionen von Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen sowie den situativen, somatischen und intersubjektiven Eigensinn von intimen Interaktionen umfassen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">An dieser Suche nach anspruchsvolleren Sexualetiketten setzt mein Promotionsprojekt an, indem der Blick auf alternative Bildungsorte gelenkt wird, in welchen Einvernehmlichkeitspraktiken im gemeinsamen, verk\u00f6rperten, experimentellen Tun sinnlich erfahrbar vermittelt, probiert und weiterentwickelt werden. Exemplarisch werden Workshop\u00fcbungen derjenigen R\u00e4ume untersucht, die in der Tradition des\u00a0<em>Consciousness-Raisings<\/em>\u00a0der zweiten Welle der Frauenbewegung stehen und sich in queeren, BDSM- oder anderweitig sexpositiven Szenen, aber auch den performativen und partizipativen K\u00fcnsten oder in spielerischen Improvisationsformaten wie dem\u00a0<em>Live Action Role Playing<\/em>\u00a0wiederfinden lassen. Um als heterotopische\u00a0<em>Safer Spaces<\/em>\u00a0potentiell riskante, transgressive, aber auch lustvolle und bedeutsame Erfahrungen zu erm\u00f6glichen und dabei die Unversehrtheit der Teilnehmenden weitgehend zu gew\u00e4hrleisten, ist in ihnen ein bestimmtes\u00a0<em>Consent Design\u00a0<\/em>wirksam. Exemplarisch l\u00e4sst sich anhand dieser dezidiert gestalteten Ma\u00dfnahmen untersuchen, was in den theoretischen Diskursen um Konsenspraktiken meist au\u00dfen vor bleibt: die grunds\u00e4tzliche Frage,\u00a0<em>wie<\/em> das Aushandeln von Einvernehmlichkeit eigentlich genau gemacht wird, anhand welcher Sprechakte, Gesten, unwillk\u00fcrlicher Regungen, Codes oder Medien es sich artikuliert oder wirksam wird \u2013 und mit welchen M\u00f6glichkeiten als auch Grenzen oder Stolpersteinen diese jeweils einhergehen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"justify\">Dieser Forschungsl\u00fccke wird begegnet, indem die aus den erw\u00e4hnten emanzipatorischen Graswurzelbewegungen stammenden Vermittlungsformate der Workshops und Handb\u00fccher zu einvernehmlichem Handeln mit den Methoden kulturwissenschaftlicher \u00c4sthetik auf ihre eigensinnigen Einzelheiten hin untersucht und kulturtheoretisch wie -historisch eingebettet werden. Gefragt wird, wie einvernehmliches Handeln in ihnen erleb-, \u00fcb-, reflektier- und kritisierbar wird. Wie informieren die am lebendigen K\u00f6rper- und Erfahrungswissen ansetzenden Formate zudem Konsenstheorien und machen eine Reformulierung dessen m\u00f6glich, was in den Forderung nach einem\u00a0<em>beyond consent<\/em>\u00a0zeitgem\u00e4\u00dfer moralischer Verpflichtungen im intimen Miteinander bisher nur angedeutet wird?<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unhinterfragt erscheint die Notwendigkeit sexueller Aufkl\u00e4rung; ihre durch \u00e4sthetische Verfahren pr\u00e4figurierten und phantasmatisch aufgeladenen Inhalte und Umsetzungen sind jedoch kontingent. Die scheinbar \u203anat\u00fcrlichste Sache der Welt\u2039 entpuppt sich als Knotenpunkt hochpolitischer und ethischer Fragestellungen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1909,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1907"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1907"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1907\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3050,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1907\/revisions\/3050"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1909"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1907"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}