{"id":2931,"date":"2022-06-08T19:13:55","date_gmt":"2022-06-08T17:13:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/?p=2931"},"modified":"2022-06-08T19:13:55","modified_gmt":"2022-06-08T17:13:55","slug":"jacques-derrida-grammatologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/jacques-derrida-grammatologie\/","title":{"rendered":"Jacques Derrida, Grammatologie"},"content":{"rendered":"<p>In <em>De la grammatologie<\/em> (1967) entwickelt Jacques Derrida Grundz\u00fcge der \u00bbDekonstruktion\u00ab. Im Nachhinein hat Derrida einger\u00e4umt, dass ihn der Erfolg des Wortes \u00bbdeconstruction\u00ab unangenehm ber\u00fchrt habe. Er selbst hatte es als eine \u00dcbersetzung von Heideggers Begriff der \u00bbDestruktion\u00ab (<em>Sein und Zeit<\/em>, \u00a7 6) eingef\u00fchrt, um dessen blo\u00df negativen Bedeutungsgehalt zu unterlaufen und so dem eigenen Vorhaben anzupassen. Es zielt auf die Kl\u00e4rung und Verst\u00e4rkung einer geschichtlichen Bewegung ab, die den Horizont f\u00fcr seine Epoche, f\u00fcr sein Denken und Handeln bestimmt: die Dekonstruktion oder Ersch\u00fctterung der Grundbegriffe des abendl\u00e4ndischen, \u00bblogozentrischen\u00ab Denkens. Derrida geht es nicht um eine Zerst\u00f6rung der Geschichte der Metaphysik, sondern um eine subversive Strategie des doppelten Schreibens und Lesens. Diese trifft in der hierarchischen Opposition von gesprochener Sprache und alphabetischer Schrift auf einen klassischen Gegenstand, mit dem sich eine betr\u00e4chtliche Zahl weiterer bin\u00e4rer Gegens\u00e4tze (Pr\u00e4senz\/Absenz, Natur\/Kultur, Tier\/Mensch, Leben\/Tod, Mann\/Frau) verkn\u00fcpfen. Der erste \u00fcberlieferte Text, der eine solch\u2018 hierarchische Anordnung in der Gegen\u00fcberstellung von Sprache und Schrift in Szene setzt und damit in den Augen Derridas eine Tradition begr\u00fcndet, die die \u00bbGeschlossenheit\u00ab oder \u00bbSchlie\u00dfung\u00ab (\u00bbcl\u00f4ture\u00ab) der Geschichte der Metaphysik bis hin zur Linguistik von Ferdinand de Saussure und zur strukturalen Ethnologie von Claude L\u00e9vi-Strauss bestimmt, ist Platons Dialog <em>Phaidros<\/em> (ca. 369 v. Chr.). Anhand der gemeinsamen Lekt\u00fcre einer Reihe f\u00fcr Derrida \u00bbsymptomatischer\u00ab Texte (Platon, Rousseau, Hegel, Nietzsche, Husserl, Freud, L\u00e9vinas, Saussure, L\u00e9vi-Strauss) soll es im Seminar darum gehen, die in der <em>Grammatologie<\/em> entfaltete Strategie der \u00bbDekonstruktion\u00ab auf ihre Tragweite zu \u00fcberpr\u00fcfen und ihre Grundbegriffe (\u00bbSpur\u00ab, \u00bbdiff\u00e9rance\u00ab, \u00bbUr-Schrift\u00ab) genauer zu befragen, gerade auch um M\u00f6glichkeiten ihrer kulturwissenschaftlichen Aktualisierung auszuloten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In De la grammatologie (1967) entwickelt Jacques Derrida Grundz\u00fcge der \u00bbDekonstruktion\u00ab. Im Nachhinein hat Derrida einger\u00e4umt, dass ihn der Erfolg des Wortes \u00bbdeconstruction\u00ab unangenehm ber\u00fchrt habe. 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