{"id":38,"date":"2016-11-12T17:25:29","date_gmt":"2016-11-12T16:25:29","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/hu\/?p=38"},"modified":"2021-01-31T11:53:08","modified_gmt":"2021-01-31T10:53:08","slug":"semiologie-a-venir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/semiologie-a-venir\/","title":{"rendered":"S\u00e9miologie \u00e0 venir"},"content":{"rendered":"<p>Das kulturtheoretische Interesse der Arbeit gilt den \u00e4sthethischen Grundlagen der modernen Semiotik, wobei \u00c4sthetik zun\u00e4chst im Sinne der a\u00edsth\u0113sis als Theorie der Wahrnehmung verstanden wird. Die \u00e4sthethischen Grundlagen der Semiotik werden jedoch weder in den begriffs- oder ideengeschichtlichen Urspr\u00fcngen einer Saussure&#8217;schen Linguistik gesucht, noch in der (transzendentalen) Begr\u00fcndung einer Peirce&#8217;schen Semiotik, die im Anschluss an Apels Peirce-Rezeption im deutschsprachigen Raum immer wieder als Transformation der Kant&#8217;schen Transzendentalen Logik und der dieser systematisch nebengeordneten Transzendentalen \u00c4sthetik verhandelt wird. Vielmehr geht es um die Frage, welche Aspekte der Wahrnehmung bei der Konstituierung der modernen Semiotik als Wissenschaft und im Zuge ihrer fortschreitenden Institutionalisierung auf der Ebene ihrer zeichentheoretischen Fundierung ausgeschlossen werden. Als zentral wird hier das Problem der Referenz angesehen, das bereits \u00fcber die Art und Weise, wie es als solches (d. h. als semiotisches Problem) erfasst wird, zum Schibboleth zweier Zeichentheorien wird, indem sich der einzelne Semiotiker entweder als Anh\u00e4nger einer auf Charles Sanders Peirce zur\u00fcckgehenden semiotischen Tradition oder als Anh\u00e4nger einer auf Ferdinand de Saussure zur\u00fcckgehenden semiologischen Tradition zu erkennen gibt.<\/p>\n<p>Die Foucault&#8217;sche Unterscheidung zwischen der Begr\u00fcndung einer (positiven) Wissenschaft und der Begr\u00fcndung einer Diskursivit\u00e4t aufgreifend, wird die Geschichte der modernen Semiotik unter dem \u00e4sthethischen Aspekt ihrer Inszenierung als Wissenschaft befragt. So geht es zum einen um die \u00c4sthethik einzelner semiotischer Theorien, die \u00fcber ihre diagrammatische und formelhafte, an anderen Wissenschaften ausgerichtete Darstellung, ein bestimmtes Bild von Wissenschaftlichkeit transportieren. Zum anderen geht es um das wiederkehrende Motiv einer R\u00fcckkehr zu und eines Rekurses auf eine Art Gr\u00fcndungsmythos (die Pariser Konferenz von 1969), der die Semiotik zu einer Zusammenf\u00fchrung zweier zeichentheoretischen Traditionslinien verkl\u00e4rt. Diese Zusammenf\u00fchrung geht nicht nur mit der \u00bbGefahr \u00e4rgerlicher Mehrdeutigkeit\u00ab (Jakobson) etwa des Begriffs \u203aSymbol\u2039 einher, sondern bedeutet gewisserma\u00dfen auch das Ende der Semiologie, die in der Semiotik aufgeht, dabei jedoch (aufgrund der ausgeklammerten, marginalisierten oder verdr\u00e4ngten Frage der Referenz) als \u203ablo\u00dfe\u2039 Textsemiotik keinen Bezug zu einer au\u00dfersprachlichen Wirklichkeit habe.<\/p>\n<p>Ziel der Arbeit ist es, den widerspr\u00fcchlichen und widerst\u00e4ndigen Elementen der modernen Semiotik in denjenigen Theorien aus dem erweiterten Umfeld des (Post-) Strukturalismus nachzugehen, die selbst bei der Konstituierung der Semiotik als Wissenschaft ausgeschlossen wurden. Die Arbeit kann selbst als \u00e4sthetisierend verstanden werden, insofern sie nicht einfach nur die Geste einer R\u00fcckkehr-zu wiederholt, sondern an die Bestimmung der Semiologie als einer zuk\u00fcnftigen Wissenschaft erinnert, \u00bbwelche das Leben der Zeichen im Rahmen des sozialen Lebens untersucht\u00ab (Saussure). Als zuk\u00fcnftige Wissenschaft oder vielmehr als<br \/>\nWissenschaft im Kommen (\u00e0 venir), wie man mit Derrida sagen m\u00fcsste, soll die Semiologie mit der Aufgabe konfrontiert werden, Aspekte der Wahrnehmung zu erfassen, die wesentlich zum (sozialen) Leben des Menschen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Charles S. Pierce: Abbildung 23\u00a0\u00a9 Charles S. Peirce, Semiotische Schriften. Band 3: 1906\u20131913 \/ Suhrkamp Verlag 2000.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das kulturtheoretische Interesse der Arbeit gilt den \u00e4sthethischen Grundlagen der modernen Semiotik, wobei \u00c4sthetik zun\u00e4chst im Sinne der a\u00edsth\u0113sis als Theorie der Wahrnehmung verstanden wird.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":490,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2472,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38\/revisions\/2472"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/490"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}