{"id":583,"date":"2017-01-01T21:26:43","date_gmt":"2017-01-01T20:26:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.hu-berlin.de\/kuwi-aesthetik\/word\/?p=583"},"modified":"2021-01-31T12:56:54","modified_gmt":"2021-01-31T11:56:54","slug":"visuelle-diktaturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/visuelle-diktaturen\/","title":{"rendered":"Visuelle Diktaturen. \u00d6ffentlichkeiten. K\u00f6rperpolitiken. Dienste."},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; margin: .75pt .75pt .75pt 1.5pt;\"><span style=\"color: black;\">Diktaturen herrschen, so unsere These, auch und gerade durch die Schaffung einer signifikanten Visualit\u00e4t, Bildlichkeit und Verbergung. Sie beanspruchen daher Gestaltungsmacht und Kontrolle \u00fcber die Bilder und \u00fcber die Erscheinungsweisen der K\u00f6rper. Die visuelle Herrschaft \u00fcber die \u203akollektiven\u2039 und \u203asingul\u00e4ren\u2039 (geschlechtlichen) K\u00f6rper zielt auf die private und \u00f6ffentliche Welt, auf die zivile wie milit\u00e4rische Front.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; margin: .75pt .75pt .75pt 1.5pt;\"><span style=\"color: black;\">Inwiefern ist f\u00fcr Diktaturen die Herrschaft durch ein umfassendes visuelles Regime konstitutiv? Welche Rolle spielen (Vor-)Bilder und Bildakte, Inszenierungen, Uniformierungen und vestiment\u00e4re Codes, Piktogramme, Kennzeichnungs- und Identifizierungssysteme? Ein besonderes Augenmerk gilt der visuellen Gewalt der rassistischen Dehumanisierung von Menschen zu \u203aDrohnen\u2039, \u203aParasiten\u2039, \u203aBlutsaugern\u2039 und \u203aSch\u00e4dlingen\u2039. Die visuelle Kennzeichnung von Juden und KZ-H\u00e4ftlingen sollte die Stigmatisierung und \u00f6ffentliche Exklusion forcieren. Mit der Nummernt\u00e4towierung in Auschwitz reaktivierte die SS antike und neuzeitliche Praktiken der Straf- und Eigentumsmarkierung von Sklav_innen, Haus- und Zuchttieren unter organisations\u00f6konomischen Gesichtspunkten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; margin: .75pt .75pt .75pt 1.5pt;\"><span style=\"color: black;\">Doch gelingt es Diktaturen nie, eine totale Herrschaft \u00fcber die Bilder zu erzielen. Daher wird es im Seminar zugleich um Gegenperspektiven und Gegen\u00f6ffentlichkeiten, um den Eigensinn der Bilder und um subversive visuelle Kulturen gehen: um H\u00e4ftlingszeichnungen und widerst\u00e4ndige Fotografien in Konzentrations- und Vernichtungslagern, um \u203aentartete Kunst\u2039, fintenreiche T\u00e4towierungspraktiken und -motive, Flugbl\u00e4tter, Knipserfotografien, kosmopolitische T\u00e4nze und Mode.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Verleihung der Caroline von Humboldt-Professur 2016\u00a0erm\u00f6glicht eine Fortsetzung der interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit zum Forschungsfeld der Visuellen Dikaturen, insbesondere die Erforschung der Entstehungsgeschichte der Aufschrift \u00bbArbeit macht frei\u00ab am Tor des Stammlagers Auschwitz sowie an den Torgeb\u00e4uden in Dachau, Sachsenhausen und Gro\u00df-Rosen.<\/p>\n<p>Abbildung:<br \/>\nDnalor01: \u00bbArbeit macht frei\u00ab, 2004, \u00a0<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Arbeit_macht_frei,_Stammlager_des_KZ_Auschwitz.JPG\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Arbeit_macht_frei,_Stammlager_des_KZ_Auschwitz.JPG<\/a> (zuletzt aufgerufen am 18.12.2016, 21:08 Uhr.)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diktaturen herrschen, so unsere These, auch und gerade durch die Schaffung einer signifikanten Visualit\u00e4t, Bildlichkeit und Verbergung. 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