{"id":597,"date":"2017-01-01T21:00:16","date_gmt":"2017-01-01T20:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.hu-berlin.de\/kuwi-aesthetik\/word\/?p=597"},"modified":"2021-01-31T12:56:12","modified_gmt":"2021-01-31T11:56:12","slug":"dienen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/dienen-2\/","title":{"rendered":"Dienen. Von der Sklaverei zur Dienstleistungsgesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>In den postindustriellen Gesellschaften geht das Gespenst des Dieners um. Der Dienstleistungssektor gilt noch immer als die entscheidende Wachstums- und Besch\u00e4ftigungsbranche, die jeweils die \u203aganze\u2039 Gesellschaft ausrichten soll. Vor 60 Jahren konnte Jean Fourasti\u00e9 die Dienstleistungsgesellschaft zur \u00bbgro\u00dfen Hoffnung des 20. Jahrhunderts\u00ab erkl\u00e4ren, die mit dem Niedergang des Industriezeitalters den Eintritt in die Wirtschaftsepoche der \u00bbterti\u00e4ren Zivilisation\u00ab einleiten sollte. Heute ist man versucht, das Projekt der Dienstleistungsgesellschaft mit ihren ins Nirwana f\u00fchrenden Service-Hotlines und Offshore-Call-Centers als eine Perversion der Idee des Service zu erkl\u00e4ren. In praxi zwingt sie den Kunden dazu, seine \u00f6konomisch-b\u00fcrokratischen Transaktionen weitgehend selbst auszuf\u00fchren. Die Dienstleistungsgesellschaft bezieht ihren symbolischen Kredit aus einem Ethos des Dienens, dem sie selbst nicht entspricht. Im Mittelpunkt der Vorlesung steht daher die Frage nach der kultur- und ideengeschichtlichen Umwertung der Werte von Herrschen und Dienen. Wie konnte sich aus dem seit der Antike verachteten Sklavendienst ein Ethos des Dienens entwickeln, von dem die Dienstleistungsgesellschaft bis heute imagin\u00e4r zehrt? Zugleich werden verschiedene organisationale Formen des Dienens und Arbeitens, Figuren des Dieners, Praktiken der Formung von Menschen zu aktiven Objekten und \u00bbbeseelten Werkzeugen\u00ab, sklavische Charaktere, Modalit\u00e4ten der sklavischen Treue im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit und nicht zuletzt ein Jenseits der Dienstleistung in den Blick genommen. Gibt es Lebensformen, K\u00fcnste und Erfahrungen der Undienlichkeit, die sich der Dialektik von Herr- und Knecht, von Herren- und Sklavenmoral entziehen?<\/p>\n<p>Abbildung:<\/p>\n<p>William Blake: \u00bbFlagellation of a Female Samboe Slave\u00ab (1793), in: John Gabriel Stedman, Narrative of a five years&#8216; expedition against the revolted Negroes of Surinam, Vol. 1, London 1813 [1796], S. 339.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den postindustriellen Gesellschaften geht das Gespenst des Dieners um. Der Dienstleistungssektor gilt noch immer als die entscheidende Wachstums- und Besch\u00e4ftigungsbranche, die jeweils die \u203aganze\u2039 Gesellschaft ausrichten soll. Heute ist man versucht, das Projekt der Dienstleistungsgesellschaft mit ihren ins Nirwana f\u00fchrenden Service-Hotlines und Offshore-Call-Centers als eine Perversion der Idee des Service zu erkl\u00e4ren. In praxi zwingt sie den Kunden dazu, seine \u00f6konomisch-b\u00fcrokratischen Transaktionen weitgehend selbst auszuf\u00fchren. Die Dienstleistungsgesellschaft bezieht ihren symbolischen Kredit aus einem Ethos des Dienens, dem sie selbst nicht entspricht.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":725,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/597"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=597"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/597\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2512,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/597\/revisions\/2512"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}