{"id":88,"date":"2015-12-15T11:35:39","date_gmt":"2015-12-15T11:35:39","guid":{"rendered":"http:\/\/themes.elmastudio.de\/neubau\/?p=88"},"modified":"2021-01-31T12:02:01","modified_gmt":"2021-01-31T11:02:01","slug":"askese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/askese\/","title":{"rendered":"Askese"},"content":{"rendered":"<p>Die Forschungsprojekte von Antonio Lucci im Bereich der kulturwissenschaftlichen \u00c4sthetik verfolgen haupts\u00e4chlich zwei Richtungen: Im Rahmen seiner Habilitation befassen sich die Studien von Antonio Lucci mit dem Thema der Askese und ihrer Rezeption in den Geisteswissenschaften des 20. und 21. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt auf Philosophie und Kulturwissenschaft liegt. W\u00e4hrend der Begriff \u00bbAskese\u00ab urspr\u00fcnglich zwischen einer \u00bbobjektiven\u00ab Konnotation (eine an einem Objekt meisterhaft vollendete Arbeit) und einer sp\u00e4teren, \u00bbsubjektiven\u00ab Konnotationsform (eine an sich selbst ausgef\u00fchrte \u00dcbung mit dem Ziel der Vervollkommnung) oszilliert, erh\u00e4lt er im hellenistischen Griechenland eine stark ethische und politische Bedeutung, wie Pierre Hadot und Michel Foucault wiederholt aufgezeigt haben. Mehr und mehr wandelt sich die Askese zu einer \u00bb\u00c4sthetik der Existenz\u00ab, in der Leben, Form und Stil miteinander verschmelzen.<\/p>\n<p>Schon seit der Antike ist der Asket derjenige, der durch \u00dcbung sein eigenes Leben g\u00e4nzlich umgestaltet und eine Form der Lebensweisheit erreicht hat, die auf einer Reihe von individuellen Praktiken basiert, die seine Natur und sein urspr\u00fcngliches Wesen von Grund auf und tiefgreifend ver\u00e4ndert haben. Diese Praktiken haben ihm eine vollkommen andere Pr\u00e4gung verliehen, die sich g\u00e4nzlich von den in seiner Gemeinschaft und Heimat \u00fcblichen Traditionen, Br\u00e4uchen und Sitten unterscheidet (nicht zuletzt auch hinsichtlich der religi\u00f6sen und politischen Bedingungen).<\/p>\n<p>Die Art und Weise, in der sich diese Ver\u00e4nderung, diese Abspaltung von der Welt und dem vorherigen Leben vollzieht, ist die radikale Umgestaltung der Lebenspraktiken und der \u00dcbungen, die die Subjektivit\u00e4t modellieren.<\/p>\n<p>Das Subjekt wird zu einer Art Werkstatt, in der die Verhaltenspraktiken, die \u00bbexercises spirituelles\u00ab, gewisserma\u00dfen \u00bbtechniques de sei\u00ab darstellen, welche auf einen Effekt der R\u00fcckwirkung abzielen, insofern sie auf die Konstitution des Subjekts Einfluss nehmen und somit die Ver\u00e4nderung der Natur ebendieses Subjekts bedingen.<\/p>\n<p>Diese Gesamtheit der \u00dcbungen wird immer auch als eine Menge von Praktiken verstanden, die sich in direkten Bezug zu einem bestimmten Zustand der Welt bzw. zu einer Tradition sowie zu einer Kollektivit\u00e4t setzen. Wer sich zu einer radikalen Umgestaltung des eigenen Lebens durch \u00dcbungen entscheidet, die das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild und die innere Gestalt f\u00fcr immer ver\u00e4ndern werden, tut dies vermittels einer genau definierten Reihe an kulturellen Techniken, die die Isolation hervorrufen und dennoch das Subjekt mit anderen fortw\u00e4hrend in Beziehung setzen.<\/p>\n<p>Abbildung:\u00a0John Bigg: The Dinton Hermit, Line engraving by Wilkes,\u00a0Wonderful Magazine and Marvellous Chronicle, London: C. Johnson 1793,\u00a0\u00a9\u00a0Wellcome Library, London.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen seiner Habilitation befassen sich die Studien von Antonio Lucci mit dem Thema der Askese und ihrer Rezeption in den Geisteswissenschaften des 20. und 21. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt auf Philosophie und Kulturwissenschaft liegt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1110,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2478,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88\/revisions\/2478"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1110"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}