{"id":1830,"date":"2018-11-02T12:01:37","date_gmt":"2018-11-02T11:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/?p=1830"},"modified":"2021-01-31T12:03:17","modified_gmt":"2021-01-31T11:03:17","slug":"fuenfzig-jahre-theorie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aesthetik.hu-berlin.de\/en\/fuenfzig-jahre-theorie\/","title":{"rendered":"F\u00fcnfzig Jahre Theorie"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcnfzig Jahre, nachdem die Generation der Achtundsechziger sie vom Seminarraum auf die Stra\u00dfe brachte, befindet sich Theorie heute in einer Phase der Reflexion und der Selbstverst\u00e4ndigung. Theorieeinsatz bildete lange Zeit den Indikator, mit dem sich die Avanciertheit kulturwissenschaftlicher Forschungsvorhaben, Disziplinen und Programme ausweisen lie\u00df. Ob Frankfurter Schule, Systemtheorie, Dekonstruktion, Poststrukturalismus, <em>postcolonial<\/em>&#8211; oder <em>gender theory<\/em> \u2013 bei Theorie handelte es sich stets um den Bruch mit dem Common Sense, um die \u00dcberschreitung klassischer Repertoires von Gelehrsamkeit, um ihre Politisierung und um die Infragestellung ihrer Formen.<\/p>\n<p>Als <em>lingua franca<\/em> oder auch: progressive Universalpoesie der Geisteswissenschaften seit den 1960er Jahren erlaubte es Theorie, heterogene Ph\u00e4nomene zueinander in Bezug zu setzen und heterogene Disziplinen miteinander ins Gespr\u00e4ch zu bringen. Daher betrachteten ihre Gegner Theorie umgekehrt als den Ausverkauf von philologischem Handwerk, akribischer Quellenkenntnis oder interpretatorischem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen kurz: als die Absage an die besten Traditionen ihrer jeweiligen F\u00e4cher.<\/p>\n<p>Diese Konstellation mitsamt ihrem festgef\u00fcgten Lagerdenken existiert heute offensichtlich nicht mehr. Infolge einer geistesgeschichtlichen Z\u00e4sur, deren Ursachen vom Ende des Kalten Krieges \u00fcber den Siegeszug der digitalen Medien bis zum Aufstieg des neuen Rechtspopulismus reichen, ist die Evidenz von Theoriearbeit inner- wie au\u00dferhalb der Universit\u00e4t fragw\u00fcrdig geworden. Darauf reagiert auf der einen Seite die Historisierung der Theorie. Als \u201eTheoriegeschichte\u201c formiert sich in den letzten Jahren ein neues Forschungsfeld, das der Entstehung, der Proliferation und den Wirkungen der Gattung Theorie nachgeht. Parallel zu diesem Unternehmen stellt sich in den Kulturwissenschaften auf der anderen Seite zugleich die Frage nach dem k\u00fcnftigen Theorieeinsatz.<\/p>\n<p>Die Ringvorlesung am Institut f\u00fcr Kulturwissenschaft beabsichtigt, beide Perspektiven zusammenzuf\u00fchren. Was war Theorie? Konstituiert sie tats\u00e4chlich ein diskursives Ereignis sui generis? Seit wann macht es Sinn, von Theorie (etwa im Gegensatz zu Philosophie) zu reden? \u00dcbernimmt sie das Pensum einer kritischen Philosophie? Und beraubt Historisierung Theorie notwendig ihres theoretischen Geltungsanspruchs, oder \u00f6ffnet sie umgekehrt einen Zugang zu dessen Renovierung? Diesen und weiteren, verwandten Fragen wird die Ringvorlesung des Wintersemesters nachgehen. Historisierung, Theoretisierung und Zeitdiagnostik gehen dabei in jedem einzelnen Beitrag unterschiedliche Verbindungen ein.<\/p>\n<p><strong>Die Vorlesung findet montags, 18-20Uhr c.t. im H\u00f6rsaal 2002 des Hauptgeb\u00e4udes, Unter den Linden 6 statt.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnfzig Jahre, nachdem die Generation der Achtundsechziger sie vom Seminarraum auf die Stra\u00dfe brachte, befindet sich Theorie heute in einer Phase der Reflexion und der Selbstverst\u00e4ndigung. 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