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Das spekulative Bild

Geheimdienstliche Filme des Ministeriums für Staatssicherheit

Einen Film zu untersuchen bedeutet, die »Einstellung« als verfertigtes Material zu verstehen und dieses nach seiner Herkunft, seinen Entstehungsbedingungen und dem Gang seiner Überlieferung zu befragen. Die »Einstellung« als Handlung zu verstehen, heißt jedoch auch, die Tätigkeit des Einstellens zu überprüfen und danach zu forschen, welche Positionierung des Sehens dem Film abzulesen ist. Und schließlich ist mit der »Einstellung« eine Haltung gemeint, die aus der Ausrichtung der Aufnahme auf ihre Motive schließen lässt.

»MfS BV Gera/Fi/12« zeigt ein Filmen des filmischen Blicks, eine Montage von Beobachtungen und ihrer mehrfachen Aufzeichnung. Dabei vermitteln die Filmbilder die technische Realität ihrer Entstehung und behandeln nicht zuletzt die Arbeit und das Personal einer im Verborgenen stattfindenden Observation.

Die Idee des »spekulativen Bildes« zielt auf die Charakterisierung des geheimen Bildes als vorhersehendes Bild ab, das seinen Einsatz im Feld der Vorsorge findet. Die hybride Bildform des besprochenen Films, die Anteile des Observationsfilms, Lehrfilms und der filmischen Selbstaufzeichnung in sich trägt, fordert eine Analyse des Dokument- und Beweischarakters der Aufnahme heraus. Damit ist das Thema der Spekulation auf der Ebene der historiographischen Bewertung von Filmen angelangt. Die konspirativen Umstände der Herstellung, die lückenhafte Kontextualisierung des Films im unvollständig überlieferten Bestand der BStU bedingen eine kritische Besprechung der Bildforensik geheimdienstlicher Bilder.

Abbildung:
Ende der Überspielung, Filmstill, BStU, MfS BV Gera/Fi/12, Schlussbild .