»Knie nieder, beweg’ die Lippen zum Gebet…!«

Eine Kultur- und Körpergeschichte des Niederkniens

Zum Ende der achtzehndreißiger Jahre hatte der Bayrische König Ludwig I. ein Problem: Einige Soldaten in seinem Heer bekannten sich zum protestantischen Glauben. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, doch wenn in katholischen Gottesdiensten das Allerheiligste präsentiert wurde, knieten diese Soldaten nicht nieder. Ludwig fand, dass es kein angemessen schönes Bild ergab, wenn einige Soldaten stehen blieben, während bisher der Truppenkörper geschlossen auf die Knie gefallen war. Dieses schon damals belächelte »ästhetisch-romantische Wohlgefallen« des Königs an der Heeresharmonie bewegte ihn dazu, das Niederknien einfach per Befehl zu erzwingen. Das kam allerdings bei seinen – protestantischen wie katholischen! – Untertanen nicht besonders gut an.
Von dieser Szene ausgehend schreibt das Forschungsprojekt eine theoretisch orientierte Kultur- und Körpergeschichte des Knies als dem ›Gehorsamsorgan‹ des Menschen. Neben seiner Majestät von Gottes Gnaden, König Ludwig I. werden darin Althusser, Pascal, Augustinus, Cassian, Walter Benjamin, Mary Wollstonecraft und Ludwig Wittgenstein, Gilgamesch, Alexander der Große und andere Akteure und Theoretiker*innen der Kniebeugung untersucht.