Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Kulturwissenschaft
Déborah V. Brosteaux
Assoziierte Forscherin
Georgenstr. 47
10117 Berlin
Deborah.brosteaux@ulb.be
Déborah V. Brosteaux ist Postdoctoral Researcher an der Université Libre de Bruxelles. Sie ist zudem Mitglied des CREG (Centre de Recherche sur l’Expérience de Guerre, ULB-MSH) und des Marc Bloch Zentrums Berlin, und sie unterrichtet in Sciences Po Lille.
Ihr aktuelles Postdoc Projekt Affektive Erbschaften. Die Möglichkeiten eines nicht-faschistischen Lebens im Neuen Deutschen Film steht im Zeichen der Frage, die eine ganze Generation nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte und uns seitdem nicht loslässt: Wie kann man ein nicht-faschistisches Leben führen, wenn die Geschichte und die Kultur, von der wir leben, durch die Verbrechen, die sie heimsuchen, zutiefst kompromittiert scheinen? Wie lässt sich diese Erbschaft transformieren – und welche Geschichten müssen wir dafür erben –, um die Gewalt nicht fortzuführen? Dieses Projekt entwickelt ein Konzept der affektiven Erbschaft, das es ermöglicht, gleichzeitig über die prozessualen und wiederkehrenden Dimensionen gewaltvoller Erbschaften, sowie über die Erbschaft als Ort nachzudenken, aus dem transformative Potenziale und intime Gegenkräfte geschöpft werden können. Um diese Reflexion zu entwickeln, wendet sich ihr Projekt dem experimentellen Kino der ersten westdeutschen Nachkriegsgeneration zu; bzw. Filmen, die die Perspektive der Kinder derjenigen, die Hitler an die Macht gebracht haben, gestalten und reflektieren. Das Projekt entwickelt einen atmosphärischen Ansatz zur Erbschaft: Die gewaltvolle Erbschaft zirkuliert auf Wegen, die sowohl situiert und verkörpert als auch diffus und unpersönlich sind. Die filmischen und formalen Aspekte und ästhetischen Verfahren werden im Projekt insofern hinterfragt, als sie die affektiven Erbschaften und ihre Transformationspotenziale gestalten.
Ihre Doktorarbeit in Philosophie (2023 verteidigt), in Co-Tutelle zwischen der Université Libre de Bruxelles und der Bergischen Universität Wuppertal, wurde 2025 unter dem Titel Les désirs guerriers de la modernité bei Éditions du Seuil veröffentlicht. Die Dissertation geht von der westeuropäischen Gegenwart aus und baut mehrere Einblicke ins 20. Jahrhundert, um Gefüge von Affekten und Begehren zu untersuchen, die mit Krieg verbunden sind, und deren Verflechtung die Rhythmen der Moderne bestimmt. Anhand Walter Benjamins Philosophie der Sinneswahrnehmung in der Moderne, und basierend auf W. G. Sebald, auf Klaus Theweleit sowie auf einer umfassenden Untersuchung Ernst Jüngers befasst sich die Dissertation mit dem Ersten Weltkrieg, der Zwischenkriegszeit und der deutschen Nachkriegszeit. Sie analysiert die historischen Formen der Rhythmen, Sensibilitäten und Intensitäten, wodurch diese Affekte und Reize Gestalt annehmen. Sie untersucht auf dieser Basis mehrere Szenen: das Verlangen nach einer Intensivierung der Selbsterfahrung, das die Phantasiewelten von 1914–1918 prägt, die Beseitigung der Trümmer nach 1945 und die Dynamiken der »Kälte« bei der Distanzierung von der Kriegsgewalt – sowie die aktive Beziehung zum Krieg, die dieser Distanz inhäriert.
Déborah V. Brosteaux
Assoziierte Forscherin
Georgenstr. 47
10117 Berlin
Deborah.brosteaux@ulb.be
Déborah V. Brosteaux ist Postdoctoral Researcher an der Université Libre de Bruxelles. Sie ist zudem Mitglied des CREG (Centre de Recherche sur l’Expérience de Guerre, ULB-MSH) und des Marc Bloch Zentrums Berlin, und sie unterrichtet in Sciences Po Lille.
Ihr aktuelles Postdoc Projekt Affektive Erbschaften. Die Möglichkeiten eines nicht-faschistischen Lebens im Neuen Deutschen Film steht im Zeichen der Frage, die eine ganze Generation nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte und uns seitdem nicht loslässt: Wie kann man ein nicht-faschistisches Leben führen, wenn die Geschichte und die Kultur, von der wir leben, durch die Verbrechen, die sie heimsuchen, zutiefst kompromittiert scheinen? Wie lässt sich diese Erbschaft transformieren – und welche Geschichten müssen wir dafür erben –, um die Gewalt nicht fortzuführen? Dieses Projekt entwickelt ein Konzept der affektiven Erbschaft, das es ermöglicht, gleichzeitig über die prozessualen und wiederkehrenden Dimensionen gewaltvoller Erbschaften, sowie über die Erbschaft als Ort nachzudenken, aus dem transformative Potenziale und intime Gegenkräfte geschöpft werden können. Um diese Reflexion zu entwickeln, wendet sich ihr Projekt dem experimentellen Kino der ersten westdeutschen Nachkriegsgeneration zu; bzw. Filmen, die die Perspektive der Kinder derjenigen, die Hitler an die Macht gebracht haben, gestalten und reflektieren. Das Projekt entwickelt einen atmosphärischen Ansatz zur Erbschaft: Die gewaltvolle Erbschaft zirkuliert auf Wegen, die sowohl situiert und verkörpert als auch diffus und unpersönlich sind. Die filmischen und formalen Aspekte und ästhetischen Verfahren werden im Projekt insofern hinterfragt, als sie die affektiven Erbschaften und ihre Transformationspotenziale gestalten.
Ihre Doktorarbeit in Philosophie (2023 verteidigt), in Co-Tutelle zwischen der Université Libre de Bruxelles und der Bergischen Universität Wuppertal, wurde 2025 unter dem Titel Les désirs guerriers de la modernité bei Éditions du Seuil veröffentlicht. Die Dissertation geht von der westeuropäischen Gegenwart aus und baut mehrere Einblicke ins 20. Jahrhundert, um Gefüge von Affekten und Begehren zu untersuchen, die mit Krieg verbunden sind, und deren Verflechtung die Rhythmen der Moderne bestimmt. Anhand Walter Benjamins Philosophie der Sinneswahrnehmung in der Moderne, und basierend auf W. G. Sebald, auf Klaus Theweleit sowie auf einer umfassenden Untersuchung Ernst Jüngers befasst sich die Dissertation mit dem Ersten Weltkrieg, der Zwischenkriegszeit und der deutschen Nachkriegszeit. Sie analysiert die historischen Formen der Rhythmen, Sensibilitäten und Intensitäten, wodurch diese Affekte und Reize Gestalt annehmen. Sie untersucht auf dieser Basis mehrere Szenen: das Verlangen nach einer Intensivierung der Selbsterfahrung, das die Phantasiewelten von 1914–1918 prägt, die Beseitigung der Trümmer nach 1945 und die Dynamiken der »Kälte« bei der Distanzierung von der Kriegsgewalt – sowie die aktive Beziehung zum Krieg, die dieser Distanz inhäriert.