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Maschinensehen

Kriegstechniken der Distanzierung

In ihrem Dissertationsprojekt im Fach Kulturwissenschaft (Erstbetreuerin: Prof. Dr. Iris Därmann, Zweitbetreuer: Prof. Dr. Thomas Macho) beschäftigt sich Nina Franz mit bild- und körpertechnischen Verfahren der Steuerung und des Befehlens als Kulturtechniken des Kriegs. Den Ausgangspunkt bilden dabei neue Militärtechnologien wie Drohnen, die in ihrer Kapazität als datensammelnde »Sehmaschinen«, ebenso wie als Waffensysteme, die über Kamerabilder und Echtzeit-Simulationen gesteuert werden, neue bildtheoretische Fragen aufwerfen. Inzwischen ist der Einsatz unbemannter, das heißt ferngelenkter oder selbststeuernder Späh- und Waffensysteme in militärischen Konflikten zu einem – wenn auch kontrovers diskutierten – Normalfall geworden. Die Implikationen dieser historisch neuartigen Konfrontation des Menschen mit einem »technischen Gegenüber«, wie auch die spezifisch bildtechnischen Verfahren des »Command and Control« sollen hier untersucht werden. Die durch das Kameraauge bedingte »Fiktionalisierung des Blicks« und die damit einhergehende Irritation, die schon mit der frühen Entwicklung der Photographie in Zusammenhang gebracht werden kann, erfährt in den Bildtheorien des 20. Jahrhunderts eine Reflexion, die für den theoretischen Ansatz dieser Arbeit grundlegend ist. Hier gilt es vor allem, an das philosophische Projekt einer »Phänomenologie des Bildes« am Beispiel der neuen, operativen Bildgebungsverfahren anzuschließen. Dem Forschungsansatz einer historisch orientierten Kulturwissenschaft folgend sollen die Entwicklungen der jüngsten Zeit in den Kontext einer älteren (Kriegs-)Geschichte der imaginären und realen Begegnungen von Menschen und Maschinen gestellt und kulturtheoretisch entschlüsselt werden.

Abbildung: © Nina Franz